Die Solarspezialisten der Swiss Renewable Solutions (SRS) haben ein besonderes Projekt erfolgreich abgeschlossen: die Installation einer Photovoltaikanlage auf einem Hangar auf dem Flugplatz Mollis im Kanton Glarus. Was auf den ersten Blick wie ein klassisches Gewerbe-PV-Projekt aussieht, war in der Realität eine technisch und regulatorisch anspruchsvolle Aufgabe.
Die Herausforderung: Darf man PV-Anlagen im Flughafenumfeld bauen, welche Bewilligungen braucht es?
Solaranlagen auf Dächern von Gewerbegebäuden sind heute Standard und können in der Regel ohne Baubewilligung realisiert werden. Doch sobald ein Projekt in Flughafennähe realisiert wird, gelten besondere Spielregeln. Bei der Anlage in Mollis standen zwei zentrale Herausforderungen im Vordergrund:
- 1. Blendwirkung für den Flugbetrieb
Das grösste Thema war die potenzielle Reflexion von Sonnenlicht durch die PV-Module – insbesondere während des Starts und der Landung von Flugzeugen. Piloten reagieren äusserst empfindlich auf unerwartete Blendungen bei Start- und Landeanflügen, und stark reflektierende Oberflächen können die Flugsicherheit gefährden. - 2. Abstimmung mit dem laufenden Flugbetrieb
Auf dem Flugplatz wird täglich gearbeitet. Jede Bauphase musste deshalb eng mit den Verantwortlichen des Flugplatzes koordiniert werden, um den Betrieb nicht zu beeinträchtigen.
Die Lösung: Frühzeitige Einbindung aller Beteiligten
Der Schlüssel zum Projekterfolg lag in der konsequenten Planung und der frühzeitigen Einbindung der relevanten Stellen – noch vor dem ersten Spatenstich.
Zusammenarbeit mit dem BAZL
Gemeinsam mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) haben wir die Modulauslegung nach den Branchendokumenten «Stand der Technik zu blendarmen Oberflächen bei PV-Modulen» (BFE / EnergieSchweiz) und «Grundlagen reflektierende Flächen im Nahbereich von Flugplätzen» (BAZL) geplant. Dieses Dokument legt fest, welche Anforderungen Solarmodule in der Nähe von Flughäfen und Flugplätzen erfüllen müssen, um die Flugsicherheit zu gewährleisten.
Grundlagen reflektierende Flächen im Nahbereich von Flugplätzen
Parallel dazu hat SRS gemeinsam mit dem Modulhersteller die Laborwerte zur Reflexion der eingesetzten Module ausgewertet und bewertet.
Blendanalyse mit digitalem Simulationstool
Zusätzlich zur theoretischen Prüfung haben wir die Reflexionssituation mit dem vom Kanton Bern entwickelten Blendtool – ein Vorgehen, das auch Swissolar empfiehlt. Dabei wurden die sogenannten Immissionspunkte – also die kritischen Positionen der Piloten beim An- und Abflug – gezielt analysiert. Das Ergebnis: Eine Minimierung der kritischen Blendwirkung der am Standort Mollis verwendeten Modulauslegung.
Anti-Glare-Module: Technologie für sensible Standorte
Ein zentrales Element des Projekts war der Einsatz von sogenannten Anti-Glare-Modulen. Diese Module verfügen über eine speziell modifizierte Glasoberfläche, die einfallendes Licht stärker streut und damit die gerichtete Reflexion – also das «Spiegeln» – deutlich reduziert.
Der Unterschied ist gut sichtbar: Während Standardmodule das Sonnenlicht stark gerichtet reflektieren und dabei helle, scharfe Lichtpunkte erzeugen können, erzeugen Anti-Glare-Module eine gleichmässige, diffuse Reflexion. Auf unseren Projektfotos erkennt man das deutlich: Die Anti-Glare-Module zeigen eine charakteristisch «viereckige», weiche Reflexion – im Gegensatz zu den spiegelnden Lichtblitzen der Standardmodule.
Ein Projekt mit Vorbildcharakter
Das Projekt in Mollis ist für uns nicht nur ein weiterer Meilenstein, sondern auch ein wichtiges Referenzprojekt für zukünftige Anlagen in Flughafennähe. Denn Solarenergie und Luftfahrt schliessen sich nicht aus, vorausgesetzt, man plant mit der nötigen Sorgfalt und den richtigen Partnern.
Die Anlage in Mollis zeigt, dass Photovoltaik auch an aussergewöhnlichen Standorten funktioniert. Die Projektleiter der SRS planen bereits die Umsetzung des nächsten Projekts in der Nähe des Flughafens Zürich. Dank der gemachten Erfahrung, den richtigen Technologien und einer wiederum engen Zusammenarbeit mit den Behörden gehen wir wiederum von einem reibungslosen Ablauf aus.
Haben Sie ein Projekt in einem sensitiven Umfeld? Ob in Flughafennähe, im urbanen Bereich oder auf einem Baudenkmal – wir beraten Sie gerne. Kontakt aufnehmen →
Quellen: