Im Jahr 2025 hat sich der deutsche Strommarkt erneut durch eine starke Volatilität der Strompreise ausgezeichnet. Insbesondere die zunehmende Präsenz erneuerbarer Energien wie Photovoltaik (PV) und Windkraft hat zu einer Zunahme von Stunden mit extrem niedrigen und extrem hohen Börsenpreisen geführt – ein Trend, der auch für die kommenden Jahre erwartet wird.
(Grafik: Stromproduktion und Börsenstrompreise in Deutschland 2025)
Rekordzahl negativer Strompreise
Eines der markantesten Merkmale des Jahres 2025 war ein neuer Rekord bei der Anzahl der Zeitabschnitte mit negativen Strompreisen. Laut einer aktuellen Analyse erreichte Deutschland 457 Stunden mit negativen Strompreisen, was 116 Stunden mehr sind als im Jahr 2024. Diese negativen Preisphasen treten vor allem dann auf, wenn die Stromproduktion aus PV- und Windkraftanlagen sehr hoch ist und die Nachfrage gleichzeitig gering, etwa an sonnigen Wochenendtagen.
(Grfik: Verteilung der Stunden mit negativen Strompreisen in Deutschland, 2025)
Negative Strompreise bedeuten, dass Erzeuger faktisch dafür bezahlen müssen, Strom ins Netz zu liefern – ein Effekt, der bei klassischen Energieträgern undenkbar wäre, aber im Zuge der erneuerbaren Energien immer häufiger auftritt. Auch perspektive der Verbraucher zeigen: Sie können günstig strom beziehen, müssen aber noch die Netzkosten und Steuern und Abgaben bezahlen, daher meist nicht negative Preise, also erhalten sie kein Geld beim Verbrauch.
Diese Preisphasen sind ein Symptom der zunehmenden Diskrepanz zwischen Stromangebot und Nachfrage.
Warum kommt es zu negativen Preisen?
Die Hauptursache für negative Strompreise ist das Überangebot an Strom im Vergleich zur Nachfrage. Insbesondere Solarenergie am Mittag an sonnigen Tagen, wenn PV-Anlagen auf Hochtouren laufen, aber der Verbrauch niedrig ist, entsteht ein Überangebot. Das gleiche kann auch bei starkem Wind in Nachstunden passieren. In der Day-Ahead-Marktpreisbildung drückt ein solches Überangebot den Preis kurzzeitig unter null.
Einige Endkunden konnten 2025 sogar netto von negativen Preisen profitieren, also inklusive aller Abgaben, wenn sie dynamische Stromtarife nutzten – etwa beim Laden von Elektroautos oder Speichern. In solchen Fällen zahlten Verbraucher zwischenzeitlich weniger als nichts für Strom, weil Anbieter ihnen eine Gutschrift gaben.
Herausforderungen und Chancen für das Stromsystem
Die Zunahme von Extrempreisstunden spiegelt nicht nur das Wachstum erneuerbarer Energien wider, sondern auch strukturelle Herausforderungen im deutschen Stromnetz. So fehlt es weiterhin an ausreichend Flexibilität, um Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch auszugleichen. Flexibilitätsoptionen wie Speicher, Nachfrage-Management (z. B. Smart Charging) und digitale Netze werden in naher Zukunft helfen, diese Volatilität zu adressieren.
Andererseits eröffnen diese Preisschwankungen auch wirtschaftliche Chancen: Betreiber großer Batteriespeicher oder Verbraucher mit dynamischen Tarifen können von günstigen oder negativen Preisen profitieren, indem sie Strom genau dann nutzen oder speichern, wenn die Preise niedrig sind.
Ausblick
Für 2026 und darüber hinaus wird erwartet, dass die Volatilität am Strommarkt anhält oder sich sogar verstärkt, solange der Ausbau der Erneuerbaren weiterhin schneller wächst als Flexibilitätsoptionen und Speicherlösungen. Die Politik und Industrie stehen vor der Aufgabe, Anreize und Genehmigungen für zusätzliche Speicher, intelligente Netzinfrastruktur und flexible Nachfrage rasch zu schaffen, um den Strommarkt effizienter und stabiler zu gestalten. Sehr positiv ist natürlich, dass Solaranlagen technisch einfach über den Wechselrichter auf eine tiefere Leistung gesteuert werden können.
