Die Energiewende erfordert grosse Investitionen. Allein in der Schweiz werden bis 2035 jährlich Milliardenbeträge für neue erneuerbare Energieanlagen und Speicher benötigt. Gleichzeitig gehört das Land zu den weltweit bedeutenden Finanzzentren.
Auf den ersten Blick scheint die Ausgangslage also ideal: Kapital ist vorhanden, der Bedarf ebenfalls.
Und dennoch zeigt sich ein bemerkenswertes Muster: Ein grosser Teil der Investitionen in erneuerbare Energien fliesst aus der Schweiz ins Ausland.
Eine aktuelle Analyse der ETH Zürich im Rahmen des Forschungsprojekts FINDIT zeigt, dass Schweizer Akteure zu den Ländern mit den höchsten Nettoinvestitionen in internationale Projekte für erneuerbare Energien gehören.
Die Studie wirft damit eine zentrale Frage auf: Warum wird ein grosser Teil des verfügbaren Kapitals ausserhalb der Schweiz investiert?
Kapital ist vorhanden
Ein wichtiges Ergebnis der Untersuchung ist zunächst beruhigend:
Für die Energiewende fehlt es grundsätzlich nicht an Kapital.
Die Schweiz verfügt über einen grossen und international stark vernetzten Finanzsektor. Schweizer Investoren beteiligen sich bereits heute in erheblichem Umfang an Projekten für erneuerbare Energien – insbesondere in Europa und den USA.
Übersicht über Kategorien von möglichen Investoren

Das zeigt: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ist Kapital durchaus bereit, in solche Projekte zu fliessen.
Herausforderungen bei Projekten im Inland
Die Studie identifiziert jedoch mehrere Faktoren, die Investitionen in der Schweiz erschweren.
Zu den wichtigsten gehören:
- komplexe und teilweise langwierige Bewilligungsverfahren
- begrenzte Flächen für grössere Energieprojekte
- vergleichsweise kleine Projektgrössen
- begrenzte Skalierbarkeit vieler Anlagen
Diese Faktoren führen dazu, dass Projekte für Finanzinvestoren häufig schwerer kalkulierbar sind als in anderen Ländern.
Für Investoren, die auf klare Risiko-Rendite-Profile angewiesen sind, können solche Rahmenbedingungen entscheidend sein.
Unterschiedliche Rollen von Investoren
Die Analyse zeigt ausserdem deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Investorengruppen.
Schweizer Energieversorger investieren weiterhin auch in Projekte im Inland – häufig aus strategischen Gründen oder im Rahmen ihres öffentlichen Auftrags.
Finanzinvestoren hingegen beteiligen sich deutlich seltener an solchen Projekten. Für sie sind viele Anlagen zu klein oder mit zu grossen Unsicherheiten verbunden.
Interessant ist auch ein weiterer Befund der Studie:
Gemessen an der Grösse des Finanzsektors investieren Schweizer Finanzinstitutionen insgesamt relativ wenig Kapital in erneuerbare Energien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.
Hier besteht also grundsätzlich noch erhebliches Potenzial.
Politische Rahmenbedingungen spielen eine zentrale Rolle
Die internationale Analyse der Studie zeigt zudem, dass klare und glaubwürdige energiepolitische Rahmenbedingungen ein entscheidender Faktor für Investitionsentscheidungen sind.
Länder mit ambitionierten und stabilen Klimapolitiken ziehen deutlich mehr Investitionen in erneuerbare Energien an.
Für die Energiewende bedeutet das:
Neben technologischen Fortschritten sind vor allem verlässliche politische und regulatorische Rahmenbedingungen entscheidend.
Was das für Unternehmen bedeutet
Während sich ein grosser Teil der Studie auf Investoren konzentriert, betreffen viele der identifizierten Herausforderungen auch Unternehmen, die eigene Energieprojekte realisieren möchten.
Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher oder Eigenstromlösungen sind heute technisch ausgereift. In der Praxis entstehen die grössten Hürden jedoch häufig bei anderen Fragen:
- Finanzierun
- Planung und Genehmigunge
- Betrieb und Wartun
- organisatorischer Aufwan
Für viele Unternehmen liegt die Herausforderung daher weniger in der Technologie als in der Struktur der Projekte.
Die Energiewende ist auch eine Organisationsfrage
Die Erkenntnisse der ETH-Studie zeigen deutlich:
Der Erfolg der Energiewende hängt nicht nur von Technologie und Kapital ab.
Ebenso entscheidend ist, wie Projekte strukturiert, finanziert und umgesetzt werden.
Wenn es gelingt, Projekte einfacher planbar, skalierbarer und organisatorisch effizienter zu gestalten, könnte deutlich mehr Kapital auch in Projekte innerhalb der Schweiz fliessen.
Für Unternehmen eröffnet das gleichzeitig neue Möglichkeiten:
Eigene Energieprojekte können nicht nur zur Dekarbonisierung beitragen, sondern auch langfristig Energiekosten stabilisieren und die Versorgungssicherheit erhöhen.
Die Erkenntnisse der Studie decken sich mit den gemachten Erfahrungen der SRS: Die Projektvorbereitung ist aufwändiger als der eigentliche Bau und fast alle Schweizer Banken sind sehr zurückhaltend mit Projektfinanzierungen in erneuerbare Energieprojekte.