Verteilnetz wird leicht teurer

8/31/2026

 
 
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Strompreise 2026 in der Schweiz: Halbzeitbilanz und Ausblick auf 2027

Die Stromtarife in der Grundversorgung dürften 2027 das zweite Jahr in Folge sinken. Die jährliche Strompreisumfrage des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) zeigt für einen typischen Haushalt einen Rückgang von rund 6 Prozent, für mittlere Gewerbebetriebe von rund 7 Prozent. Verbindlich wird es in den nächsten Tagen: Bis Ende August müssen die rund 580 Grundversorger ihre definitiven Tarife den Kundinnen und Kunden sowie der ElCom melden, Anfang September publiziert die ElCom sämtliche Zahlen. Sobald sie vorliegen, ordnen wir die definitiven Tarife in einem Folgebeitrag ein. Schon heute lässt sich aber sagen, worauf es für Unternehmen ankommt: weniger auf die Schlagzeile als auf die Frage, welcher Teil des Strompreises überhaupt günstiger wird – und was gleichzeitig mit der Vergütung für eingespeisten Solarstrom passiert.

Tarife 2027: die zweite Entlastung in Folge

An der VSE-Strompreisumfrage, die vom 18. Mai bis 9. Juni 2026 lief, nahmen 75 von 323 angeschriebenen Energieversorgungsunternehmen teil. 35 davon konnten bereits konkrete Tarife für 2027 nennen, 40 antworteten qualitativ. Bei den 35 Versorgern mit konkreten Angaben sinkt der Median für das Haushaltsprofil H4 auf 26.6 Rp./kWh, nach 28.6 Rp./kWh im Vorjahr. Gegenüber 2024, als der Wert in dieser Gruppe noch bei 33.0 Rp./kWh lag, entspricht das einem Rückgang um rund einen Fünftel. Auch die Mehrheit der Versorger, die noch keine Zahlen nennen konnten, erwartet sinkende oder gleichbleibende Tarife.

VerbrauchsprofilTypischer JahresverbrauchMedian 2027 vs. 2026
H2 – Wohnung2’500 kWh− 3 %
H4 – Haushalt (Referenzprofil)4’500 kWh− 6 % (26.6 Rp./kWh)
C3 – mittlerer Betrieb150’000 kWh− 7 %
C4 – grosser Betrieb500’000 kWh− 4 %

Angaben der 35 Energieversorgungsunternehmen, die im Juni 2026 bereits absolute Tarife für 2027 nennen konnten (Median). Es handelt sich um eine Momentaufnahme, nicht um definitive Tarife.

Zur Einordnung: 2026 liegt der schweizweite Median für das Profil H4 gemäss den Berechnungen der ElCom bei 27.7 Rp./kWh und damit rund 4 Prozent unter dem Vorjahr. Die Entlastung setzt sich also fort, fällt 2027 aber deutlicher aus.

Warum die Tarife sinken – und warum nicht überall

Der Rückgang stammt fast vollständig aus dem Energieanteil: Je nach Kundengruppe sinken die Energietarife um 6 bis 15 Prozent. Hauptgrund sind die rückläufigen Preise auf den Stromgrosshandelsmärkten.

Die Netztarife bleiben 2027 im Mittel stabil. Das Verteilnetz wird leicht teurer, weil vielerorts in Netzausbau und Netzverstärkungen investiert wird. Das Übertragungsnetz wird günstiger, weil bei Swissgrid die Kosten für Engpassmanagement und Systemdienstleistungen zurückgehen. Ein Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von 90’000 kWh zahlt dafür noch rund 1’086 statt 1’286 Franken, also 15.6 Prozent weniger. Der Tarif für die inländische Stromreserve fällt von 0.41 auf 0.17 Rp./kWh. Einzig der Zuschlag für solidarisierte Kosten steigt, unter anderem wegen Netzverstärkungen in den unteren Netzebenen und der Entlastung der Eisen-, Stahl- und Aluminiumindustrie beim Netznutzungsentgelt.

Bemerkenswert ist, was nicht passiert ist. Seit Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 sind die Preise am Terminmarkt gestiegen, in den Tarifen für 2027 schlägt sich das vorerst kaum nieder. Der Grund liegt in der Beschaffung: 75 Prozent der Versorger kaufen die Energie mehrheitlich langfristig ein, also zwei bis drei Jahre oder länger im Voraus, während 25 Prozent kürzere Fristen wählen oder kurz-, mittel- und langfristig kombinieren. Seit Inkrafttreten des Stromgesetzes hat die vorwiegend kurzfristige Beschaffung als Strategie an Bedeutung verloren. Das dämpft Ausschläge nach oben – verzögert aber auch, bis eine Entspannung am Markt bei den Kundinnen und Kunden ankommt.

Der Median sagt zudem wenig über den einzelnen Standort aus. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Netzgebiet der Schweiz liegen über 30 Rp./kWh, abhängig von Eigenproduktion, Netzkosten und Beschaffungsstrategie des lokalen Versorgers. Einzelne Netzgebiete können deshalb gegen den Trend teurer werden. Ein Blick auf das eigene Tarifblatt und auf die Strompreis-Webseite der ElCom lohnt sich mehr als jeder Schweizer Durchschnittswert.

ElCom: Strompreise Schweiz

Woraus sich der Strompreis zusammensetzt

Der Strompreis besteht aus fünf Komponenten, die unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Stromversorgung abdecken (Übersicht des VSE):

Massgebend für die Höhe des Strompreises sind der Energie- und der Netznutzungstarif. Für Unternehmen ist diese Unterscheidung zentral: Günstiger wird Strom dort, wo der Markt wirkt. Alles, was über Netz, Messung, Abgaben und Zuschläge läuft, bleibt stabil oder legt leicht zu – und lässt sich nur über den Eigenverbrauch beeinflussen.

Ruhige Tarife, unruhiger Markt

Während die Grundversorgungstarife stabil bleiben, wird der Markt dahinter volatiler. Über Mittag drücken hohe Solareinspeisungen die Spotpreise regelmässig gegen null oder darunter, am Abend schnellen sie nach oben, sobald die Sonne wegfällt. Während der Hitzewelle Ende Juni 2026 waren in einzelnen europäischen Märkten kurzzeitig Preise von mehreren hundert Franken pro Megawattstunde zu beobachten, während in derselben Woche mittags Überschüsse herrschten.

Die ElCom stufte die Versorgungssicherheit Ende Juni 2026 als gewährleistet ein, wies aber auf die erhöhte Preisvolatilität und die Wiederbefüllung der europäischen Gasspeicher hin. Für das kommende Winterhalbjahr bleibt die Ausgangslage damit zu beobachten; die ElCom aktualisiert ihre Einschätzung zur Versorgungssicherheit wöchentlich.

Der eigentliche Umbruch betrifft die Einspeisung

Für Betreiberinnen und Betreiber von Photovoltaikanlagen ist die Tarifsenkung nicht die wichtigste Neuerung. Seit dem 1. Januar 2026 gelten schweizweit einheitliche Regeln für die Abnahme von Solarstrom: Die Vergütung richtet sich nach dem vierteljährlichen Referenz-Marktpreis des Bundesamts für Energie, für Anlagen unter 150 kW greift zusätzlich eine gesetzliche Mindestvergütung.

Auf Anfang 2027 folgt der nächste Schritt. Dann richtet sich die Abnahmevergütung nicht mehr nach dem Quartalsdurchschnitt, sondern nach dem stündlichen Spotmarktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung; für die Umstellung gilt eine Übergangsfrist bis Anfang 2028. Einzelne Versorger sind bereits vorausgegangen, die BKW etwa per 1. Juli 2026.

Für kommerzielle Anlagen ist das der entscheidende Punkt: Anlagen über 150 kW sind nicht durch die Mindestvergütung geschützt und damit direkt dem stündlichen Preissignal ausgesetzt. Eine Kilowattstunde, die um 13 Uhr an einem sonnigen Sonntag ins Netz geht, ist nicht mehr gleich viel wert wie eine Kilowattstunde um 18 Uhr an einem Werktag. Hinzu kommt die netzdienliche Einspeiseregelung: Neue Wechselrichter begrenzen seit dem 1. Januar 2026 die Einspeisung auf 70 Prozent der installierten Modulleistung, ohne den Eigenverbrauch einzuschränken.

Was Unternehmen daraus ableiten sollten

  1. Eigenverbrauch bleibt der stabilste Hebel. Wer selbst produzierten Strom direkt verbraucht, spart nicht nur den Energieanteil, sondern das gesamte Paket aus Netznutzung, Messung, Netzzuschlag und Abgaben. Genau diese Bestandteile sinken kaum.
  2. Lastprofil vor Jahresverbrauch. Mit dem stündlichen Preissignal entscheidet die zeitliche Verteilung über die Wirtschaftlichkeit. Eine Auswertung der Viertelstundenwerte ist die Grundlage jeder seriösen Planung.
  3. Speicher und Steuerung neu bewerten. Batterien, Wärme, Kälte und Ladeinfrastruktur werden dort attraktiv, wo sie Mittagsüberschüsse in die Abendstunden verschieben und Lastspitzen glätten.
  4. Tarifblatt 2027 prüfen, sobald es vorliegt. Bis Ende August melden die Versorger ihre definitiven Tarife, Anfang September ist der Vergleich auf der Strompreis-Webseite der ElCom möglich. Bei mehreren Standorten lohnt sich die Prüfung pro Netzgebiet.
  5. Verträge zur Rücklieferung anschauen. Bei individuellen Vereinbarungen mit dem Verteilnetzbetreiber gehört die Behandlung negativer Preise zwingend geregelt.

Die Strompreise sinken 2027 zum zweiten Mal in Folge. Das ist eine gute Nachricht, sie beschreibt aber nur die halbe Realität. Der Rückgang stammt aus dem Energieanteil, während Netz, Messung und Abgaben stabil bleiben oder steigen. Gleichzeitig nimmt die Volatilität innerhalb des Tages zu, und die Vergütung für eingespeisten Solarstrom folgt ab 2027 dem stündlichen Preissignal. Der Wettbewerbsvorteil liegt künftig weniger im günstigen Einkauf als in der Fähigkeit, den eigenen Verbrauch und die eigene Produktion zeitlich aufeinander abzustimmen.

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Quellen

VSE, Umfrage zeigt: Stromtarife 2027 dürften weiter sinken (29.06.2026)  |  ElCom, Leicht sinkende Strompreise 2026 (09.09.2025)  |  ElCom, Aktuelle Einschätzung Versorgungssicherheit  |  ElCom, Strompreis-Übersicht  |  Swissgrid, Swissgrid senkt Tarife im Jahr 2027 erneut (17.03.2026)  |  Swissolar, 2026: Was gilt neu für Photovoltaikanlagen?  |  Swissolar, Abnahmevergütung  |  BFE, Referenz-Marktpreise gemäss Art. 15 EnFV  |  BKW, Die BKW führt vorzeitig ein marktnahes Preismodell für Solarstrom ein (28.05.2026)